Mit ihrer Vielfalt und Flexibilität sind Stiftungen ein Trumpf für die
Gesellschaft, insbesondere in herausfordernden Situationen oder gar Krisen. Sie tragen
zum Gemeinwohl bei und schaffen wichtige Anlässe und Plattformen, die einen kollektiven
Mehrwert darstellen.
Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben! Diese Binsenweisheit gilt auch für
Stiftungen, die mit ihrer Ausrichtung und mit jeder einzelnen Förderentscheidung
immer auch eine Themensetzung vornehmen. Wie schön wäre es, jeden Euro zwei- oder
gar dreimal ausgeben zu können? Aber die Notwendigkeit zwingt uns auch,
verantwortungsvoll, konstruktiv und offen über unsere Prioritäten zu sprechen und
Entscheidungen zu treffen, von denen wir überzeugt sind. Darunter sind sicherlich
auch Entscheidungen, die andere anders treffen würden.
Gerade mit Blick auf die anstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen, die
angespannte wirtschaftliche Lage und die daraus entstehenden finanziellen Engpässe
ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Priorisierung so wichtig und relevant.
Diese Entscheidungen betreffen mitunter die Stiftung und ihre
Projektpartner:innen ganz direkt.
Auch wenn Stiftungen wie die Braunschweigische Stiftung über eine gewisse
finanzielle Unabhängigkeit und Flexibilität verfügen und sich daher in einer
komfortablen Situation befinden, hat sich die Lage für Stiftungen und andere
gemeinnützige Organisationen verändert: Die Zivilgesellschaft ist unter Druck
geraten und wird aktiv delegitimiert. Sie wird mitunter als staatlich finanziert
und gelenkt oder undemokratisch dargestellt. Dabei sind Stiftungen mit ihrer
gemeinwohlorientierten Ausrichtung ein zentraler Baustein mit wichtigen
gesellschaftlichen Funktionen. Man denke nur an den Betrieb von Krankenhäusern,
kulturellen Einrichtungen oder die Förderung von Kultur- und Sportprojekten, die
wiederum immense Bindefunktionen in der Gesellschaft ausüben. Nein, Stiftungen und
Zivilgesellschaft sind nicht Symptom einer Krise, sondern mehr denn je Teil der
Lösung.
Stiftungen sind ein wichtiger gesellschaftlicher Faktor. Zentral dafür sind die
über Jahre gewachsenen Partnerschaften und Netzwerke. Das in diesem Sinne
aufgebaute Projekt ›Das Haus der Braunschweigischen Stiftungen‹, das die
Braunschweigische Stiftung gemeinsam mit der Stiftung Braunschweigischer
Kulturbesitz und der Bürgerstiftung Braunschweig seit über 20 Jahren betreibt,
ist eine dieser wertvollen Plattformen für Austausch, persönliches und
organisationelles Lernen und Ausgangspunkt für gesellschaftliche
Weiterentwicklung.
Gerade in der Partnerschaft mit einer öffentlich-rechtlichen Stiftung und einer
Bürgerstiftung liegt für die Braunschweigische Stiftung als privatrechtliche
Stiftung ein großer Mehrwert. In unserem gemeinsamen Projekt, aber auch in anderen
Projekten und Partnerschaften fließen mehrere unterschiedliche Perspektiven ein.
Das macht die entwickelten Lösungen am Ende tragfähiger und besser. Bei aller
Unterschiedlichkeit gilt es allgemein, den Fokus auf die Gemeinsamkeiten zu legen
und die Verschiedenheiten zu akzeptieren: Vielfalt ist unsere Chance. Denn wir
alle haben ein großes Interesse daran, diese Region weiterzuentwickeln und Anlässe
für Verbundenheit, Engagement und Freude zu schaffen – auch gern im Haus der
Braunschweigischen Stiftungen.