›Portal Jüdisches Niedersachsen online‹

2023
Israel Jacobson Netzwerk für jüdische Kultur und Geschichte e.V.

Das Portal Jüdisches Niedersachsen online ist ein bemerkenswertes Projekt, das die digitale Landschaft Niedersachsens bereichert und zugleich eine bedeutende Lücke schließt. Rebekka Denz und Julia Meyer, Teil des Portalteams des Israel Jacobson Netzwerks, berichten über die Entstehung und Ziele eines neuen Onlineportals, dass das jüdische Leben in Geschichte und Gegenwart in den Fokus rückt. Von der Intention hinter dem Projekt bis hin zu den Herausforderungen der Umsetzung und den geplanten Erweiterungen bietet dieses Gespräch einen spannenden Einblick in eine Initiative, die dazu beiträgt, die Vielfalt der jüdischen Kultur noch stärker ins Bewusstsein zu rücken und den Dialog darüber zu fördern.

Was war die Intention zu diesem Projekt?

Rebekka Denz: Die Region Braunschweig und ganz Niedersachsen können mit Vielem aufwarten. Doch was bis zum August 2023 fehlte, war ein digitales Angebot, in dem jüdisches Leben in Geschichte und Gegenwart mit Blick auf das gesamte Bundesland seinen Platz findet. Unser Wunsch ist es, dass die ›Vielfalt der jüdischen Kultur‹ noch mehr Menschen bewusst wird. Wir möchten den vielen Gesichtern, Stimmen und Perspektiven jüdischer Frauen, Männer und Kinder in Niedersachsen eine digitale Plattform geben. Sie sollen mehr Gehör finden. Seien es historische Personen oder Menschen im Hier und Heute. Ebenso möchten wir den vielen Initiativen, Institutionen und Privatpersonen, die seit Jahren und Jahrzehnten über die jüdische Geschichte und Kultur forschen, die Materialien und Informationen zusammentragen, ein Netzwerk bieten. Das Wissen Vieler soll ins Portal eingebracht werden.

Wie verlief der Prozess der Entwicklung und Umsetzung des Onlineportals? Gab es besondere Herausforderungen oder Erfolge?

Rebekka Denz: Klar, es ist eine Mammutaufgabe, ein solches Portal vorzubereiten. Die Entwicklung einer Datenbank, die Gestaltung des Frontends, das Kuratieren und Erarbeiten von Inhalten. Diese vielen kleinen und großen Schritte sind nur durch ein tatkräftiges Team, ein verlässliches Netzwerk sowie durch eine großzügige finanzielle und ideelle Unterstützung möglich. Die größte Herausforderung ist es, die Erwartungen aller Involvierten – inklusive der eigenen Anspruchshaltung – im Zaum zu halten. Ambitionierte Ideen und eine zielgerichtete Umsetzung in einem guten Verhältnis zu behalten und nicht zu einem Missverhältnis werden zu lassen; das zeigte sich als besonders herausfordernd. Denn im Portal ist zwar nicht alles, aber eben sehr vieles möglich. Umso wichtiger ist es, auf dem Teppich zu bleiben.

Welche Inhalte erwarten die Besucher:innen des Portals? Können Sie einige Beispiele für besonders interessante oder einzigartige Features geben?

Julia Meyer: Das wirklich Tolle am Portal ist, dass alle Inhalte auf einer › interaktiven Karte ‹ verortet sind. So können zum Beispiel Lebenswege einzelner Personen durch Pins auf dieser Karte dargestellt werden. Darüber hinaus bietet die Datenbank für uns die Möglichkeit, die Inhalte modular zu gliedern und so verschiedenen Themenschwerpunkten zuzuordnen. Dadurch werden viele Interessenschwerpunkte von Nutzer:innen bedient. Besonders stolz sind wir auf unser Glossar. Dort sind hebräische Begriffe hinterlegt, die viel mit der jüdischen Kultur und Religion zu tun haben. Wir liefern nicht nur Definitionen, sondern auch Audios, um die korrekte Aussprache vermitteln zu können.

Wie war das bisherige Feedback, sowohl aus der jüdischen Gemeinschaft als auch von den Nutzer:innen des Angebots?

Julia Meyer: Aus der jüdischen Gemeinschaft kam das Feedback, dass es schön ist, ein überregionales Angebot zu haben, in dem jüdische Stimmen selbst zur Sprache kommen und nicht nur ›über sie‹ gesprochen wird. Außerdem wurde positiv angemerkt, dass es wichtig ist, jüdische Geschichte und jüdisches Leben zu zeigen, die nicht auf Antisemitismus und die Shoah begrenzt sind. Im Allgemeinen haben wir sehr positives Feedback in Bezug auf die Gestaltung bekommen. Hier und da gibt es natürlich noch ein paar Bugs und technische Probleme, aber wir arbeiten weiterhin eng mit unserem IT-Dienstleister zusammen, um auch diese noch korrigieren zu können.

Welche Rolle spielt das Onlineportal bei der Aufklärung über jüdische Geschichte, Kultur und Traditionen in Niedersachsen?

Rebekka Denz: Wir hoffen eine große Rolle, die wir in den nächsten Jahren weiter ausbauen können. Denn Wissensvermittlung ist eine Kernidee des Portals. Wir möchten Lehrer:innen und Schüler:innen, Vereine und Einzelpersonen auf digitalem Wege erreichen und sprechen die Zielgruppen auf den verschiedenen Themenseite an. Darüber hinaus möchten wir Menschen ins Gespräch miteinander bringen. Wir hoffen, dass das Portal dies befördert. Auf der Themenseite ›Begegnungsorte‹ werden Sie fündig, ebenso wie im Veranstaltungskalender. Wir möchten auch dazu anregen, an Orte jüdischen Lebens in Geschichte und Gegenwart zu reisen. Digital und analog stehen hier in einer Wechselbeziehung und bieten oftmals dadurch einen Mehrwert.

Gibt es geplante Erweiterungen oder zukünftige Entwicklungen für das Onlineportal? Wie sehen Sie die weitere Entwicklung und Nutzung des Portals in den kommenden Jahren?

Julia Meyer: Momentan unterscheiden wir in unserer Datenbank zwischen ›Personen‹ und ›Einrichtungen‹. In näherer Zukunft sollen zudem ›Orte‹ über die Karte abrufbar sein und historische Abrisse jüdischer Geschichte in niedersächsischen Städten und Dörfern angeboten werden. Außerdem gibt es noch viele Informationen zu ergänzen. Wir haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit; das ist bei einem so großen Bundesland wahrscheinlich gar nicht möglich. Jedoch gibt es Regionen in Niedersachsen, die im Portal eher unterrepräsentiert sind; diese Lücken gilt es in jedem Fall noch zu schließen. Auch die Aufnahme von ›Judaica‹ – also Objektsammlungen zu jüdischer Kultur und Religion – stehen noch aus. Außerdem haben wir vor, das Portal noch stärker für eine edukative Nutzung zu erweitern, um Lehrkräften die jüdische Kulturvermittlung zu erleichtern.

Eine Anleitung zum Portal Jüdisches Niedersachsen online finden Sie hier:

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Das Portal Jüdisches Niedersachsen online können Sie hier hier erkunden.